LANJU

Grundkurs Fotografie Teil 1 (Blende, Belichtung & ISO)

28. Mai 2019

EINLEITUNG:

Da Ich hier ein paar Tutorials für euch schreiben möchte, ist es natürlich am Sinnvollsten mit den Basic der Kamera anzufangen.
Der Automatik-Modus in Kameras wird heutzutage immer besser, daher denken viele die anderen Modis braucht man eh nicht. Aber das ist falsch! Klar nimmt einem der Automatik Modus vieles ab, aber halt doch nicht alles. Aber hierzu später mehr.  (Grunkurs Teil 2)

Fangen wir erst einmal mal mit meiner Vorgeschichte an:

Meine erste Kamera (als Kind so um die 10 Jahre dürfte Ich alt gewesen sein) war eine Kodak mit Film, die alles Automatisch machte. Okay man hatte noch ein leichtes Zoom den man manuell steuern konnte. Das war alles was das Gerät konnte. So sind meine ersten Schnappschüsse entstanden. Aber Irgendwann reichte mir das nicht mehr und Ich wünschte mir 2004 zum Geburtstag eine Kamera und meine Eltern schenkten mir „die Maschine“. Eine Kodak EasyShare DX6490.

Man war das Ding aus damaliger Sicht ein Brett. Ein richtiger Allrounder mit für damalige Zeiten „10-Fach-Optischen-Mega-Zoom“ 4 Megapixel und 2,2“ Display. Ich sag ja eine MASCHINE!

Leider wurde mir die Kamera 2010 in einem Dänemark Urlaub am Strand gestohlen. Und so musste ein neues Monster her.

Lanju Fotografie Tutorial
Meine erste Richtige Kamera Kodak DX6490 von 2004 (Automatik Modus) immerhin hatte die Kamera 4 Megapixel 🙂

Erste Produktfotografie für mein Damaliges Label Mau-Design 2008

Lanju Fotografie Tutorial
Die ersten Erfahrungen mit der Bildbearbeitung 2007
Lanju Fotografie Tutorial
Mit der Zeit wurde Ich immer experimentierfreudiger. Ein Selfie mit Beamer 2009
Lanju Fotografie Tutorial
Da ich mich damals nicht traute "Models" zu fotografieren musste Ich immer selber herhalten 🙂

Da Ich was kleines und Feines haben wollte und mir die großen Spiegelreflexkameras einfach zu wuchtig waren (Die schleppt man ja eh nie mit, da zu groß und schwer) würde es im Jahr 2011 eine Panasonic DMC-TZ10 (12 Megapixel 12-fach opt. Zoom, 7,6 cm (3 Zoll) Display, Bildstabilisator, Geo-Tagging)

Mit dieser Kamera lernte Ich den ersten Umgang mit den einzelnen Modis ( A / P / S / M) und stellte fest was man damit alles machen kann. Mein Liebling wurde der M Modus und Ich entdeckte die zauberhafte Kunst Sterne zu fotografieren ( Tutorial Sterne Fotografieren).

Die Schulung meines Auges begann… Mit der Zeit entwickelt man einen Blick für Details. (2014)

In Afrika merkte Ich das Ich doch mit der Digicam limitiert war. Mir fehlte Offenblende und Zoom (2014)
leichter Frust kam auf 😊

Das Experimentieren mit unterschiedlichen Techniken und Blickwinkeln begann (2014)

2015 kurz nach meinem 30 Geburtstag (Man lässt sich ja ab einem gewissen Alter gerne Geld schenken) war endlich der Tag und Ich kaufte mir meine erste MFT Kamera.

Ab jetzt war ich Hobbie Fotograf und kein Knipser mehr 😀

Die OMD EM 10 Mark 2 (16 MP, 5-Achsen Bildstabi., elektr. Sucher, Full-HD, WLAN). Sie hatte fast alles was ich benötigte. Ist mega klein, hat eine top Qualität und Ich kann die Objektive der Großen Jungs (Pro Serie Olympus) von MFT mitbenutzen.
Die Kamera benütze Ich heutzutage immer noch sehr gerne. Da sie für den Preis vielseitig ist und gute Qualität abliefert (Meiner Meinung auch besser als der Nachfolger die Mark 3).

Lanju Fotografie
Lanju Fotografie Tutorial

2018 Kamm allerdings der Punkt. Ich hatte das max. aus dieser Kamera herausgeholt und merkte in der Experimentellen Fotografie gibt es für diese Kamera grenzen, die von mir überwunden werden wollten. Also wieder Geld sparen und so zog die OMD EM1 Mark 2 in mein Haus ein. (Fast wäre Ich zu Panasonic gewechselt, aber am Ende hat mich die Olympus in der Hand mehr überzeugt.)

Das war ganz grob mein Werdegang 😊 Wie du siehst habe Ich auch klein angefangen und lerne heutzutage immer noch etwas dazu!

Lanju Fotografie

Aber jetzt zu den Basics:

Mittlerweile macht der Automatikmodus in den meisten Kameras einen sehr guten Job. Die Kameras enthalten ausgefeilte Techniken, die die Absichten des Fotografen zu erraten versuchen und nehmen automatisch die entsprechenden Einstellungen vor. Das ist natürlich sehr praktisch und es kommen meistens in der Qualität, gute Bilder heraus. Aber die Kamera kann trotzdem noch nicht denken! Daher kann es vorkommen, dass man mit der Kamera-Automatik einfach nicht die Bildergebnisse bekommt, die man gerne haben möchte. Spätestens dann ist es von Vorteil, wenn man die grundlegenden Zusammenhänge versteht und dadurch in der Lage ist, sie nach eigenen Vorstellungen anzupassen.

Ziel eines jeden Fotos ist zunächst einmal die korrekte Belichtung. Wobei korrekt nicht zwingend bedeutet, dass alles gleichmäßig ausgeleuchtet sein muss, sondern viel mehr korrekt in dem Sinn, dass das Ergebnis der Vorstellung des Fotografen entspricht, also Dir. Folgende Parameter haben dabei Einfluss auf die Belichtung des Bildes:

Blende

Belichtungszeit

ISO (Empfindlichkeit.)

Lanju Fotografie Tutorial

Die Blende:

Am Einfachsten erkläre ich dir die Blende wenn Du dir folgendes vorstellst.

Du sitzt auf einem Stuhl in mitten eines komplett dunklen Raumes. Der Raum hat keine Fenster nur eine Massive dicke Tür, durch die kein Licht hereindringen kann. Hinter dieser Tür ist ein weiterer Raum, dieser ist aber komplett lichtdurchflutet, mit vielen Fenstern.
Wenn die Tür jetzt leicht geöffnet wird dringt etwas Licht vom hellen- in den dunklen Raum.
Umso weiter Du die Tür geöffnet wird, umso mehr Licht dringt in den dunklen Raum hinein. So Kannst Du dir die Funktion der Blende Vorstellen.
Umso größer Du die Blende Öffnest (Also wie im Beispiel, umso weiter du die Tür öffnest) umso mehr Licht kann auf den Kamera Sensor gelangen.

Die Größe der Öffnung wird durch Blendenzahlen angegeben. Wenn ein Fotograf von der Blendenzahl spricht, die er für ein bestimmtes Bild benutzt hat, benutzt er Zahlen wie f/1.8, f/2.8, f/5,6.

Aber für was Steht das F?

Du denkst wahrscheinlich es kommt aus dem englischen, das ist nicht ganz korrekt. Im Englischen spricht man von „Apperture“ für Blende.
Vor dem Wert der Blende sehen wir bei allen Kameraherstellern allerdings das „F“ und kein „A“ oder „B“.

Das A findest du allerdings auf dem Menürad (mehr dazu im 2ten Grundlagen Tutorial)

aber warum wird die Blende ausgerechnet mit »F« gekennzeichnet?

Der englische Begriff für einen Blendenschritt ist F-Stop; F steht für »Focal Length« (Brennweite), Stop aus der Geschichte für schrittweises Öffnen und Schließen der Blende.
Somit wäre geklärt für was das F steht.

Die Anfangsöffnung oder Offenblende genannt (Die Tür ist komplett auf) Ist die größte Öffnung der Blende und wird als Zahl meist auf der Vorderseite des Objektivs eingraviert.
Sucher und Display zeigen bei der Aufnahme die Belichtungszeit und die Blende an und kennzeichnen die Blende mit »F«: F1.4, F2.8, F8 ….

Das Interessante ist jetzt: Je höher die Zahl hinter dem f/ ist, umso kleiner ist die Öffnung der Blende. Und umgekehrt: Je kleiner die Blendenzahl ist, umso größer die Öffnung der Blende.

Wenn das für dich noch unlogisch klingt, stell dir die Zahlen hinter dem f einfach als Bruch vor.

Wenn Ich dich frage, ob 1/8 (ein Achtel) größer ist als 1/4 (ein Viertel), was wäre deine Antwort?

Nein! Genau.

Nur weil die Zahl 8 größer ist, ist ja nicht 1/8 mehr als 1/4.

Also: f/8 ist kleiner als f/4.
f/8 lässt also weniger Licht rein als f/4.

Sag es dir noch mal laut auf: kleine Zahl, viel Licht – große Zahl, wenig Licht!

Lanju Fotografie
Tierfotografie F/1.8 · 1/80Sek · ISO 200 · 45mm

Warum habe Ich kein F1.4 oder F2.8?

Welche Zahlen du einstellen kannst, kommt auf deine Kamera und vor allem auf dein Objektiv an.

Es ist also normal, wenn die Einstellung an deiner Kamera mit einer anderen Blendenzahl beginnt, als wie oben angegeben.

z.B. das Kit-Objektiv (M.ZUIKO Digital von meiner OMD EM10 mark2) beginnt bei f3.5. und nicht z.B. bei f1.8. wie bei meinem Fisheye-Objektiv. Daher weiß ich das bei meinem Fisheye Objektiv mehr Licht auf den Sensor gelangen kann. Das hat z.B, in der Astrofotografie Vorteile.

Bei der Gleichen Belichtungszeit nachts sehe ich auf dem Foto vom Fisheye Objektiv mehr Sterne und eine hellere Landschaft als beim Kit Objektiv. Natürlich hat eine offenblende auch andere Vorteile, wie bei Portraits ein schöneres Bokeh, bzw. man kann sehr gut Objekte freistellen etc. Aber das genauer zu erklären würde jetzt den Rahmen sprengen.

Lanju Fotografie Tutorial
Tropfen im Wasser F/22 · 1/20Sek · ISO 400 · 60mm

Belichtungszeit

Eine weitere wichtige Einstellung zur Bildgestaltung und Belichtung ist die Belichtungszeit oder auch Verschlusszeit genannt. Sie bestimmt, wie lange Licht auf den Sensor der Kamera fällt bzw. wie lange die Blende geöffnet ist.

Doch was versteht man unter kurze, und was als unter lange Verschlusszeit?

In der Regel bezeichnet man Belichtungszeiten kleiner als 1/60 Sek. als kurze Verschlusszeiten (z.B. 1/200 Sek., 1/1000 Sek. oder kürzer), alles darüber (z.B. 1/30 Sek. bis hin zu 1 oder mehreren Sekunden) als lange Verschlusszeiten.
Im Grunde ist es hier wie bei der Blende (je weiter bzw. Länger die Tür geöffnet ist desto mehr Licht fällt auf den Sensor)

Die Belichtungszeit ist an sich einer der wichtigsten Parameter bei der Bildgestaltung, denn sie entscheidet darüber, ob Du aus der Hand unverwackelte Aufnahmen erzeugen kannst und wie stark Objekte, die sich bewegen, verwischt dargestellt werden.

z.B. ein Wasserfall.

Kurze Belichtungszeit 1/400 (Before) > Man sieht ein hartes und klares (Strucktur) Wasser, jeder tropfen ist sichtbar

Lange Belichtungszeit 5 Sek. (After) > Man sieht ein weiches und verwaschenes Wasser kein einzelner tropfen ist mehr sichtbar.

Natürlich benötigt man für eine längere Belichtung eines Wasserfalls am Tag einen ND-Filter. Aber das ist ein Thema für ein anderes Tutorial.

Before
After

ACHTUNG:
Die Zeiten, die Du beim Fotografieren aus der Hand noch halten kannst (ohne zu verwackeln) sind recht kurz, das heißt, sie liegen unter 1/30 Sekunde.
Diese kürzeste Zeit hängt aber z.B. auch davon ab, wie ruhig Du die Kamera halten kannst und ob deine Kamera/Objektiv einen Bildstabilisator verwendet und welche Brennweite zum Einsatz kommt.

Benützt du ein Stativ, kannst du die Belichtung natürlich länger einstellen. Aber Achtung hier muss der Bildstabilisator ausgestellt werden. (Mehr hierzu findest Du im Tutorial “Sterne Fotografieren für Anfänger”)
Aber zurück zur Belichtungszeit…

Die eingestellte Zeit zeigt die Kamera wie folgt an:

32000 … 125, 60, 30, 15, 8, 4, 2, 1″, 2″, 4″, 8″, 15″… 60“

Steht für Sekunden
Und vor den anderen Zahlen fehlt das 1/
z.B. 125 ist 1/125, 2 ist 1/2 (eine halbe Sekunde)

Viele Hersteller haben auch noch Sonderfunktionen wie „Livebulb“,“Live Time“ und „LiveComp“ (findest du meistens nach 60“) Das sind besondere Belichtungsfunktionen zu denen ich in einem weiteren Tutorial was erzählen kann.

Lanju Fotografie Tutorial
Milchstraße F/1.8 · 25 Sek · ISO 2000 · 8mm
Lanju Fotografie Tutorial
Wassertropfen in der Luft F/5,6 · 1/80Sek · ISO 200 · 42mm

ISO

Was Rauscht denn da? Ist meine Kamera kaputt?

Nein, denn das liegt am International Standard Organisation der Kamera kurz ISO.
Bei den digitalen Kameras steht die ISO-Empfindlichkeit für die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Je höher die Zahl – z.B. ISO 200, 600, 2000, oder auch 25600 – desto empfindlicher ist der Sensor eingestellt und desto mehr Licht wird während der Belichtungszeit vom Sensor gesammelt. Soweit klingt das doch genial, gäbe es da nicht einen kleinen Hacken.
Je höher der Wert, desto mehr Rauschen gibt es im Bild. Auch die Schärfe des Bildes nimmt bei höheren Werten ab. Deshalb gilt für den ISO die Faustregel: Je niedriger, desto besser!
Bei meinen Kameras habe ich festgestellt das ISO 200 & Low (100) am Tag bei normalen Lichtverhältnissen) die Schärfsten Bilder macht. Der Wert ist auch meine Basis in der Fotografie. Für 90% meiner Bilder fahre Ich damit ganz gut.

Der ISO ist immer dann hilfreich, wenn es nicht besonders viel Umgebungslicht gibt, man aber trotzdem mit kurzer Belichtungszeit fotografieren möchte, um Bewegungen scharf abzubilden. Dann kann man den ISO einfach hochdrehen, um den Verlust in der Helligkeit durch die kürzere Belichtungszeit auszugleichen oder in der Abend- & Nachtfotografie, um Helligkeit in das Bild hinein zu bringen.
Ein wenig Rauschen muss man dann in Kauf nehmen. Bei den meisten modernen Kameras ist ein ISO bis 1600 aber kaum ein Problem. Bei meiner Olympus gehe ich in ausnamefällen bis max. 3200. z.B. für die Milchstraße.

Lanju Fotografie Tutorial
ISO Beispiel in der Nacht F1.8 · 20 Sek · 8mm

Mein Tipp

Wenn Du viel in dunkleren Umgebungen wie in Konzerthallen fotografierst, lohnt es sich auf jeden Fall in gute Objektive zu investieren. Durch eine größere Blendenöffnung (kleinere Blendenzahl wie f1.8) kann man den ISO weiter herunterschrauben und hat so nicht ganz so viel Rauschen auf den Bildern. Aber ich sage auch immer lieber ein scharfes und „körniges“ Bild, als ein verwaschenes und unscharfes! Etwas Rauschen schadet dem Bild nicht. Am Besten Du Testes es einfach mal mit deiner Kamera und fotografierst das gleiche Objekt mit den unterschiedlichen ISO Stufen und vergleichst am Computer mit was du leben kannst. Denn es ist immer gut zu wissen was dein persönliches maximum im Rauschen ist. Dann weißt du das du nicht über diesen Wert Fotografien solltest!

Wie Du siehst hängen Blende, Belichtungszeit und der ISO aneinander und nur zusammen ergeben Sie das perfekte Foto.

Zusammenhang zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO

Nachdem klar geworden ist, welche Auswirkungen die Blende, die Belichtungszeit und der ISO-Wert in einem Foto haben, kommt das Wichtigste: Der Zusammenhang zwischen diesen Werten.

Denn nur wenn die drei perfekt zusammen spielen hast du ein gutes Ergebnis

Beispiel

Dein Foto ist „korrekt“ belichtet, bei einer Belichtungszeit von 1/250. Blende F8 und einem ISO-Wert von 200. Wenn die Belichtungszeit um einen Blendenwert (die Hälfte) auf 1/500 verkürzt wird, muss mehr Licht auf den Kamerasensor, um die gleiche Belichtung zu erreichen.

Hier gibt es nun zwei Optionen.

1. Die Blende kann um eine Blendenstufe weiter geöffnet werden.

2. Die ISO-Empfindlichkeit wird höher gesetzt.

Man muss also eine Entscheidung treffen: Weniger Schärfentiefe (Blende) oder mehr Rauschen (ISO)

Falls Dir das Tutorial gefallen hat oder Du Fragen hast schreib mir unten in die Kommentare 😊

Das nächste Tutorial wird Basics Teil 2 sein. Hier werde ich auf die Funktionen P / A / S / M  genauer eingehen.